Alūksne (Marienburg)
Idyllischer Ort im Osten Letlands
Wer bedeutungsvolle Sehenswürdigkeiten erwartet, wird von Alūksne vielleicht enttäuscht sein. Aus meiner Sicht ist dies jedoch nicht nötig. Der nach der Kleinstadt mit etwa 6.300 Einwohner benannte See „Alūksnes Ezers“ ist die Basis für ein sehr schön gestaltetes Erholungsgebiet. Die Schmalspurbahn ist eine attraktive Abwechslung auf einer Rundreise und schöne Attraktionen für Besucher gibt es. Diese sind allerdings keine Touristenspektakel; eben „einfach“ nur sich gut fühlen! 😎
Reisenden, die nur wenig Zeit für einen Besuch in Lettland haben und den Fokus auf historische Städte sowie bauliche Denkmäler setzen, würde ich demnach nicht unbedingt zu einem Übernachtungs-Stopp in Alūksne raten.
„Geheimtipp“ Schmalspurbahn
Gulbene–Alūksne
Ein wesentlicher Grund, dass wir Alūksne besucht haben, war die Aussicht, einen 33 km-Ausflug mit der Schmalspurbahn nach Gulbene und wieder zurück, zu unternehmen. Die mit Hilfe der lettischen Bahn der Gesellschaft SIA „Gulbenes–Alūksnes bānītis“ betriebene Strecke dient auch heute noch dem regulären Personentransport. Der Erhalt der Bahnlinie wird von der EU gefördert und ist als „Nationales Kulturerbe Lettlands“ geschützt.
Weit östlich...
... am 3-Ländereck zu Estland und Russland
Alūksne liegt etwa 25 km entfernt von der Stelle, an der sich die Grenzen von Lettland, Estland und Russland kreuzen. Dies ist eher ein „symbolischer“ Ort. Die Bezirk Alūksne liegt abseits alter Handels- und Reisewege. Der deutsche Name „Marienburg“ verweist zwar auf eine im 14. Jahrhunderrt errichtete Ordensburg, die industrielle Entwicklung war über die Jahrhunderte dennoch bescheiden.
In Alūksne wird viel für die Entwicklung eines zukunftsfähigen Tourismus getan. Im Mittelpunkt steht dabei der Alūksne-See mit dem liebevoll gestalteten „Tempļakalns-Park“ und mit vielen Angeboten für Besucher sowie Bewohner der Stadt.
Tempļakalns-Park
Viele „Kleinode“ zum Wohlfühlen
Der Park ist der zentrale Freizeit Bereich des Ortes. Neben Restaurant, Sportanlagen sowie einer Freiluftbühne befindet sich ein 153 Stufen hoher hölzerner Aussichtsturm und eine erlebnisreiche Zipline.
Bibelmuseum
Im Gedenken an Ernst Glück
Der deutsche Theologe Ernst Glück übersetzte erstmalig die Bibel in die lettische Sprache. Ende des 17. Jahrhunderts lebte er fast 20 Jahre in Alūksne und arbeitet hier als Pfarrer. In dieser Zeit kümmerte er sich sehr um die Bildung der Kinder des Ortes. Seine Bibelübersetzungen waren wichtiger Teil der Herausbildung eines lettischen Nationalgefühls.
„Glücks-“Story
Die Person Ernst Glück und seine Frau Christine sind mit einer „Kaum-zu-glauben“-Story verbunden. Die Tochter eines Bauern, Marta Helena Skowrońska wurde schon in frühen Kinderjahren Vollwaise und kam als Ziehtochter und spätere Magd zur Familie Glück. Marta muss eine sehr starke, aber auch liebevolle Frau gewesen sein. Immerhin schaffte sie es später in die Annalen der Geschichte als zweite Ehefrau und Thron-Nachfolgerin des russischen Zar Peter I., der Große. Als 1705 Ernst Glück bereits im Alter vom 51 Jahren verstarb, sorgte Marta, nunmehr Zarin Katharina I. für die materielle Absicherung von Glück's Witwe und ihrer sechs Kindern.
Familie Glück und eine Zarin









